Wie alles begann


Stationen zum atomaren Endlager Asse II


Vom Salzbergwerk zum Endlager für Atommüll

Die Schachtanlage Asse II bei Wolfenbüttel in Niedersachsen wurde zum Zweck des Salzabbaus 1906 angelegt. Von 1908-1925 wurde in Asse II Kalisalz (Carnallit) und von 1916-1963 Steinsalz gefördert. Es entstanden über 100 Abbaukammern auf 15 Sohlen zwischen 490 und 800 m Tiefe. Das Hohlraumvolumen dieses Salzbergwerks beträgt ca. 3,5 Mio cbm. Bereits 1906 soff das ca. 1,4 km westlich gelegene Kalibergwerk Asse I ab. 1923 lief der ca. 3 km östlich gelegene Schacht Asse III nach seiner Stillegung von oben her voll Wasser (nach E.Albrecht: Die Tieflagerung radioaktiver Abfälle in Salzformationen der Bundesrepublik Deutschland, ca. 1979, S.18). 1965 erwarb die gsf (Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung) im Auftrag der Bundesregierung dieses Salzbergwerk von der Wintershall AG, um hier Versuche zur Lagerung von Atommüll durchzuführen. Der Begriff "Versuchslagerung" wurde geprägt. Quasi über Nacht war das erste deutsche Lager für Atommüll beschafft worden. Die beunruhigte Bevölkerung glaubte den offiziellen Verlautbarungen und damit an den Versuchscharakter dieser Anlage und an die Rückholbarkeit des in den folgenden Jahren eingelagerten Atommülls! Die gsf versprach nach dem Kauf, das Salzbergwerk Asse II gründlich auf seine Eignung für die versuchsweise Einlagerung für Atommüll hin zu untersuchen. Dieses Versprechen wurde bereits 1967 unterlaufen: Die gsf begann mit der ersten Einlagerung der Fässer mit schwachradioaktivem Atommüll auf der 750 m-Sohle, ohne einen Standsicherheitsnachweis für das Grubengebäude mit den 100 Hohlkammern vorzulegen.

Radioaktiver Müll von Transnuklear, Nukem, Bundeswehr etc. in die Asse!

Von April 1967 bis Ende 1978 wurden insgesamt ca. 125000 Gebinde mit schwachaktivem Abfall eingelagert. Dabei handelte es sich um radioaktiven Müll von Firmen wie Buchler/Braunschweig, Hoechst, AEG, der Bundeswehr, von allen westdeutschen Atomkraftwerken und auch von den späteren Skandalfirmen Transnuklear und Nukem. Allein die Bundeswehr lagerte von 1975 bis 1978 236 Behälter mit schwachaktiven Abfällen in die Asse ein, Transnuklear 6578 und Nukem 1264 Behälter (Quelle:Stellungnahme der Sachverständigen zur öffentlichen Anhörung des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Ausschußdrucksache 11/5 vom 5.4.1988)

Uran und Plutonium

Mit Beginn eines 2. Einlagerungsabschnittes im September 1967 durften die schwachaktiven Abfälle auch bis zu 15 g Kernbrennstoffe, d.h. Uran 235 und Plutonium, pro Gebinde enthalten. Genehmigungen wurden in der Zeit nur vom Bergamt, nach §3 Strahlenschutzverordnung von der PTB erteilt.

Mittelaktiver Atommüll

Von September 1972 bis 1977 wurden 1300 Rollreifenfässer mit mittelaktiven Abfällen auf der 511 m Sohle eingelagert. Sie enthielten ebenfalls Beimengungen von Uran und Plutonium.

Insgesamt lagern heute in Asse II also ca. 126000 Gebinde mit schwach- und mittelaktiven Abfällen, d.h. für jede Einwohnerin, jeden Einwohner des Landkreises Wolfenbüttel 1 Atommüllfaß.

Und insgesamt lagern hier auch ca. 24 kg Plutonium und ca. 26 kg Uran 235, verteilt auf ca. 14 300 Abfallgebinde, die heutzutage größtenteils nicht mehr zugänglich und auch nicht besonders gekennzeichnet sind. Das Gesamtnuklidinventar beträgt ca. 200 000 Curie (1 Curie = 37 Milliarden Bequerel). Das entspricht immerhin dem 250zigsten Teil der in Tschernobyl freigewordenen Strahlung.


siehe auch Tabelle der Stationen


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zuletzt aktualisiert 10. Juni 2001 von Manfred Kracht