Stationen zum atomaren Endlager Asse II

1965

Die Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung (GSF) erwirbt im Auftrag der Bundesrepublik das ehemalige Salzbergwerk Asse, um dort Forschungs- und Entwicklungsarbeiten zur sicheren Endlagerung radioaktiver Abfälle durchzuführen.

April 1967 bis Ende 1978

Als Versuch deklariert werden insgesamt 125.000 Fässer mit schwachaktiven Stoffen in der Asse eingelagert, davon allein in den 2 Jahren bis zum Ende der Genehmigung 52.000 Fässer - das ist der gesamte in dieser Zeit in der Bundesrepublik angefallene schwachaktive Atommüll.

Sept. 1972 bis März 1977

1.300 Behälter mit mittelaktivem Abfall werden zusätzlich eingelagert, insgesamt also mehr als 126.000 Fässer in die Asse verbracht. Auf Anfrage muß die GSF zugeben, daß in diesem Abfall auch 23 kg hochgiftiges Plutonium ist.

ab 1978

Nach den 1978 in Kraft getretenen neuen Bestimmungen des Atomgesetzes ist ohne Durchführung eines Planfeststellungsverfahrens mit Öffentlichkeitsbeteiligung keine Endlagerung von Atommüll möglich. Anstatt ein solches Planfeststellungsverfahren zu beantragen, wird erst nach Intervention aus dem Kreistag keine weitere Einlagerung von Atommüll mehr vorgenommen. Aber es wird weiter mit radioaktiven Substanzen geforscht, es werden technische Verfahren entwickelt und Tests zum Verhalten von Salz bei Strahlungs- und Wärmeeinwirkung durchgeführt. Dazu wird das Bergwerk weiter ausgebaut. Insgesamt lagert nun in 500 bis 700 m Tiefe Atommüll mit einer Aktivität von ca. 200.000 Curie1.

1994

In einem Gutachten, das das Niedersächsische Landesamt für Bodenforschung, das Oberbergamt Clausthal-Zellerfeld und das Bergamt Goslar im Auftrag des Niedersächsischen Umweltministeriums erstellen, wird festgestellt, daß ein nicht mehr beherrschbarer Wassereinbruch in das Bergwerk („Absaufen“) nicht auszuschließen ist. Zur Verbesserung der Standfestigkeit empfehlen die Gutachter daher die Verfüllung der verbliebenen Hohlräume (insgesamt ca. 2,5 Millionen m³) mit Salz.

1995

Die Verfüllung beginnt. Tag für Tag bringen Güterzüge Abraumsalz zur Schachtanlage, das dann in die Hohlräume geblasen wird. Die Versuchstätigkeit mit radioaktiven Stoffen wird eingestellt. Im Lauf der Jahre nehmen die Zuflüsse von Wasser in den Salzstock zu. Aus dem Deckgebirge, das über dem Salzstock liegt, dringt Wasser und löst sich Wege durch das Salz frei.

1998
sind es 10 m³ am Tag, die von der GSF als Laugenzufluß festgestellt werden. Löst sich das Salz weiter auf, so kann es die (im Lauf der Zeit korrodierten) Fässer nicht mehr von der Umwelt abschirmen; mit dem Wasser wird sich die Radioaktivität unkontrollierbar im Berg verteilen und im Laufe der Jahre auch ihren Weg nach draußen finden.

1 1 Curie=3,7 x 1010 Bq = 37 Milliarden Atomzerfälle/sec


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zuletzt aktualisiert 10. Juni 2001 von Manfred Kracht